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Die Blockchain-Technologie hat das Potenzial den Energiesektor nachhaltig zu verändern. Wien Energie hat bereits reale Energietransaktionen mit Hilfe dieser Technologie durchgeführt und testet nun die umfassende Anwendung im Stadtentwicklungsgebiet VIERTEL ZWEI.

Wien Energie forscht aktiv an der Nutzung der Blockchain-Technologie für die dezentrale, unkomplizierte Abwicklung von Transaktionen in der Energiewirtschaft. Anfang 2017 wurde gemeinsam mit den Ölkonzernen BP und Eni, dem Unternehmensberater Ernst & Young sowie dem Blockchain-Start-up BTL ein Pilotprojekt für den Gashandel durchgeführt.

Im Normalfall ist der Handel mit Energie, etwa Strom und Gas, ein komplexer Prozess. Zwischen Lieferanten und Käufern vereinbarte Geschäfte müssen in ein Fahrplansystem eingegeben werden, sie müssen speziellen Verrechnungsstellen (Bilanzgruppenkoordinatoren), Übertragungsnetzbetreibern (etwa Austrian Power Grid) und der Regulierungsbehörde E-Control mitgeteilt werden. Mit Hilfe einer neuen Plattform namens Enerchain sollen alle bürokratischen Zwischenschritte wegfallen. Enerchain ist von 33 Unternehmen, darunter auch Wien Energie, gemeinsam entwickelt worden. Umgesetzt wurde die Plattform für den Energiehandel mit Blockchain vom deutschen Software-Unternehmen Ponton.

Ziel des Pilotprojekts war, gemeinsam mit den Partnern Know-how für Blockchain aufzubauen und die neue Technologie auf ihre Chancen und Vorteile abzutesten. Durch unterschiedliche Versuchsanordnungen mit der Technologie sollen neue Erkenntnisse zum Einsatz von Blockchain im Energiegeschäft gewonnen bzw. mögliche Prozessoptimierungen und Kosteneinsparungen ausgelotet werden.

Erster realer Gashandel mit Blockchain durchgeführt

Im Rahmen der Gashändler-Konferenz Emart wurde im Oktober 2017 in Amsterdam der erste reale Gashandel mit Blockchain durchgeführt. Wien Energie hat dabei über die Blockchain-basierte Handelsplattform Enerchain Gas bei einem dänischen Lieferanten eingekauft, das einen Tag später geliefert wurde. Testweise wurden auf Enerchain bereits Energie-Geschäfte durchgeführt, Wien Energie hat die Plattform zum ersten Mal für ein reales Geschäft benutzt und damit international Aufsehen erregt.

Innovationsprojekt: Stadtviertel mit Blockchain-Infrastruktur

Im Rahmen des Innovationsprojekts „Urban Pioneers Community“ im VIERTEL ZWEI wird Wien Energie zusammen mit den österreichischen Digitalisierungsexperten Riddle&Code erstmals eine Blockchain-Infrastruktur in einem Stadtentwicklungsgebiet schaffen. Das Projekt startete Ende Jänner 2018 mit der aktiven Einbeziehung der Bewohnerinnen und Bewohner im VIERTEL ZWEI.

Ziel des Projekts ist es, die Kundinnen und Kunden als Partner mit an Bord der Produktentwicklung zu holen. Getestet werden beispielsweise innovative Energie-Tarife, die es so bisher noch nicht am Markt gibt oder neue Solarstrom-Modelle. Das alles auch in Verbindung mit neuen Technologien wie Blockchain. Ideen, die sich vor Ort in der Praxis bewähren, könnten dann auch auf andere Wohnviertel oder flächendeckend ausgerollt werden.

Mit dem Blockchain-Piloten im Rahmen des Projekts wird das erste Mal eine wirkliche End-to-End Lösung für Blockchain-Systeme in der E-Wirtschaft erprobt. Blockchain-Hardware, etwa Nodes und Wallets, soll in bestehende Energie-Infrastruktur eingebaut werden. Das ermöglicht, die Services aller Anwendungen wie etwa Photovoltaik-Anlagen, Elektromobilität und Speicher zu harmonisieren. Wien Energie hat so die Möglichkeit, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und Lösungen zu testen. So wird unter anderem untersucht, wie neue Stromtarif-Modelle mit Hilfe der Blockchain-Technologie und auf Basis von Smart Meter auf Kundenseite funktionieren.

Ein Beispiel: Eine E-Ladestation im VIERTEL ZWEI kann dann über ein Computerprotokoll auf der Blockchain und automatisierten Verträgen den Strom sowohl von Solaranlagen im VIERTEL ZWEI als auch vom Energiegroßhandel in Leipzig beziehen und weiter an das Elektroauto vermarkten bzw. dieses laden.

Das Projekt ist langfristig auf drei bis fünf Jahre angelegt.

Kontakt

Wien Energie GmbH

E-Mail: office@wienenergie.at

Website: www.wienenergie.at

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