© PID/Christian Fürthner

Durch das Programm „Wien gibt Raum“ wird der öffentliche Raum und Objekte, die sich darin befinden, erfasst und vermessen. Die gesammelten Daten werden verwendet um Bewilligungsverfahren für z.B. Schanigärten, Grätzloasen, Straßenfeste und viele andere Vorhaben im öffentlichen Raum zentral abwickeln zu können. Somit soll die Nutzung des öffentlichen Raums für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen vereinfacht werden.

Der öffentliche Raum ist das Aushängeschild einer modernen Stadt. In ihm spielt sich ein wichtiger Teil des Alltagslebens der Bewohnerinnen und Bewohner ab und er bildet für Besucherinnen und Besucher einen wesentlichen Teil der „Atmosphäre“ einer Stadt. Im öffentlichen Raum treten aber auch die unterschiedlichsten Interessen und Bedürfnisse in Konkurrenz zueinander.

Die Aufgabe einer Verwaltung ist es, einen rechtlichen und organisatorischen Rahmen für diese Interessen und Bedürfnisse zu schaffen. Dabei müssen die Nutzbarkeit des öffentlichen Raums aufrechterhalten und frei zugängliche Flächen gesichert sowie die Sicherheit, Leichtigkeit und Flüssigkeit des Verkehrs gewährleistet werden.

300.000 Stadtmöbel auf Wiens Straßen

Ein wesentlicher Faktor bei der Nutzung und Verwaltung des öffentlichen Raumes sind Objekte (sogenannte Stadtmöbel), die auf öffentlich verwaltetem Grund aufgestellt sind oder aufgestellt werden sollen. Die Bandbreite reicht dabei – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – von Fahrradständern, Zeitungsentnahmeboxen oder Werbeschildern über Sitzmöbel und Brunnen bis hin zu Imbissständen, Kiosken oder Schanigärten (Straßencafés). Für Wien geht man derzeit von mehr als 300.000 solcher Objekte aus. Dazu kommen noch Verwaltungsabläufe für Veranstaltungen, Märkte und bauliche Nutzungen.

In Verbindung mit diesen Nutzungsarten sind in Wien unterschiedlichste Abteilungen der öffentlichen Verwaltung für Einzelaspekte zuständig, sodass potentielle Nutzerinnen und Nutzer zum Teil Genehmigungen mehrerer Magistratsabteilungen für eine einzelne Nutzung benötigen. Auf Verwaltungsseite ergibt sich dadurch die Problematik des schwierigen Informationsaustausches zwischen Organisationseinheiten, einer hohen Anzahl interner Schnittstellen sowie uneinheitlicher EDV-Lösungen für die Verwaltung von Sondernutzungen des öffentlichen Raumes. Zusätzlich sind für zahlreiche Genehmigungsverfahren Ortsaugenscheine vorgesehen, um beispielsweise Stellungnahmen zu Sicherheits- oder Stadtbildaspekten abzugeben.

One-Stop-Shop für Bewilligungen

Vor dem Hintergrund dieser Herausforderung hat der Magistrat der Stadt Wien das Programm „Wien gibt Raum“ ins Leben gerufen. Das Programm reorganisiert die Zuständigkeiten für die Bewilligung und Verwaltung von Objekten und Aktivitäten im öffentlichen Raum. Dabei werden die internen Prozesse der Stadtverwaltung hinter einer neu gestalteten KundInnenschnittstelle (einem digitalen bzw. physischen One-Stop-Shop) neu aufgestellt und durch speziell angepasste Softwaretools unterstützt.

Darüber hinaus werden die rechtlichen Vorgaben für solche Bewilligungen evaluiert und wenn notwendig modernisiert. Einige Maßnahmen des Programmes „Wien gibt Raum“ sind auch als Punkt 21 „Informationsplattform für Stadtmöblierungselemente umsetzen“ und Punkt 22 „Bewilligungsverfahren zentral steuern und vereinfachen“ in das Fachkonzept Öffentlicher Raum eingeflossen. Das von 2017 bis 2022 laufende Programm bildet eine Klammer über mehrere Projekte, die sich mit Einzelaspekten organisatorischer bzw. technischer Natur beschäftigen. Ziel von „Wien gibt Raum“ ist, die Nutzung des öffentlichen Raums für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen zu vereinfachen. Mittels einer Software werden Geoinformationen, Vermessungs- und Bilddaten des Ist-Standes sowie Daten über vorhandene Genehmigungen und Anträge zusammengeführt. So können sich die beteiligten Dienststellen des Magistrats besser vernetzen. Der Vorteil für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen ist, dass sie über einen digitalen bzw. physischen One-Stop-Shop eine zentrale Ansprechstelle für ihr Anliegen und alle Genehmigungen aus einer Hand erhalten. Gleichzeitig erhält der Magistrat der Stadt Wien als Verwalter öffentlicher Flächen einen Überblick über die tatsächlich im öffentlichen Raum befindlichen Objekte. Dies ist die Grundlage dafür, ihn zu entrümpeln – ihn also von widerrechtlich aufgestellten Objekten zu befreien und somit mehr Platz für alle zu schaffen und eine faire Nutzung für alle zu gewährleisten. Dieser umfassende Ansatz ist in Europa bisher einzigartig.

Die Vermessung der Stadt

Grundlage für viele Schritte des Programmes ist eine vermessungstechnische Erfassung der bestehenden Objekte im öffentlichen Raum durch eine Mobile Mapping Kampagne – also eine Dokumentation des Naturstandes zu einem definierten Zeitpunkt. Die Erfassung des öffentlichen Raumes wird operativ von der Magistratsabteilung 41 – Stadtvermessung Wien durchgeführt, die für die Stadt Wien als magistratsinterner Geodatenprovider agiert. Durch eine bildgebende Mobile Mapping Kampagne wird ein Abbild der Stadt generiert, das in weiterer Folge für die dreidimensionale Extraktion von Merkmalen des öffentlichen Raums genutzt wird. Zukünftig sollen anhand eines klar definierten Objektkataloges Objekte des öffentlichen Raumes klar beschrieben werden, um in weiterer Folge in den Bilddaten verortet und zu stadtmöblierungsspezifischen GIS-Layern hinzugefügt zu werden. Diese GIS-Layer bilden die Grundlage für Visualisierungen von Bestands- und Genehmigungsdaten in den gemeinsam genutzten EDV-Systemen sowie für Kontrollprozesse in der Verwaltung. Die Bilddaten der Mobile Mapping Kampagne werden für die Wiener Stadtverwaltung in einem einfach benutzbaren, webbasierten Bilddatendienst zur Verfügung gestellt, mit dem zukünftig ein Teil der Ortsaugenscheine bzw. Stellungnahmen digital vom Schreibtisch aus durchgeführt werden können. So können Zeit und Kosten eingespart werden.

Kontakt

Programmleiter David Vladar

Magistratsabteilung 65 – Rechtliche Verkehrsangelegenheiten

E-Mail: david.vladar@wien.gv.at

Website: www.wiengibtraum.at

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