Visualisierung Wiener Grünfassaden-Modul © tatwort | Jakob Hubmann

Im Zuge des Projekts werden 50 Grünfassaden-Module in Wien-Favoriten installiert. Die Begrünung soll urbanen Hitzinseln vorbeugen und das Mikroklima verbessern. Zentraler Anspruch des Projekts ist die Multiplizierbarkeit damit im Anschluss an das Forschungsprojekt ein breites Roll-Out möglich ist.

Wien und andere Städte bieten bereits viele Möglichkeiten für Gebäudebegrünung. Dennoch gibt es aktuell keine kostengünstige, einfach umsetzbare Gesamtlösung für eine straßenseitige Umsetzung von Fassadenbegrünung an Bestandsimmobilien. Hier setzt das Projekt 50 Grüne Häuser an: In einem interdisziplinären Team und gemeinsam mit der Stadtverwaltung und weiteren Stakeholdern wird eine umfassende All-in-One-Lösung entwickelt!

Hintergründe

Laut Klimaprognosen hat Wien künftig mehr sommerliche Hitze zu erwarten – in einzelnen Jahren wird es bis zu 100 Hitzetage mit Temperaturen über 30°C geben, was einem Plus von 550% im Vergleich zum Mittelwert der Jahre 1981-2010 entspräche. Bauwerksbegrünungen reduzieren die gefühlte Temperatur bei Hitze um bis zu 13°C und wirken so „urbanen Hitzeinseln“ entgegen. Vor allem entlang von Gehsteigen und in Erdgeschoßzonen wirken Begrünungen positiv auf das Mikroklima. Bauwerksbegrünungen haben noch viele weitere Vorteile: So verbessern sie die Luftqualität und sorgen für ein naturnahes, gesünderes Umfeld in der Stadt.

All-in-One-Lösung und Prozessinnovation

Zur Umsetzung von Grünfassaden im Bestand gibt es derzeit noch keine breit anwendbare, preiswerte All-in-One-Lösung. Das „Nachrüsten“ bestehender Fassaden wird zudem durch langwierige Abwicklungs- und Genehmigungsprozesse innerhalb von Gebäudegemeinschaften und der Verwaltung erschwert. Das notwendige Genehmigungsverfahren der Stadt Wien dauert derzeit im Durchschnitt über ein Jahr.

Im Rahmen des Forschungsprojektes „50 grüne Häuser“, gefördert vom BMVIT im Programm „Stadt der Zukunft“, wird erstmals – in Abstimmung mit der Stadt Wien – eine integrierte Kombi-Lösung entwickelt, bestehend aus dem neu entwickelten „Wiener Grünfassaden-Modul“, einem innovativen webbasierten Partizipationsinstrument, sowie praxisorientierten Pflege-Konzepten.

Das Wiener Grünfassaden-Modul

Das Wiener Grünfassaden-Modul ist eine einfache, kostengünstige, breit implementierbare Pflanzentrog-Lösung für straßenseitige Fassadenbegrünung. Es besteht aus Pflanztrögen, Substrat (Erde), Kletterpflanzen und Rankhilfen. Das Besondere: Alle Elemente sind aufeinander abgestimmt, speziell für die Spezifika des Bestandes entwickelt und enthalten fix und fertig alle Komponenten, um bestehende Fassaden „ergrünen“ zu lassen.

Die zuständigen Stellen des Magistrats sind in die Entwicklung des Moduls eingebunden, um fachliche Anforderungen einzubringen und damit den künftigen Genehmigungsprozess transparent und rasch zu gestalten. In der Entwicklung werden vielfältige Anforderungen berücksichtigt, wie die Verwendung langlebiger und ökologischer Materialien oder eine passende Dimensionierung, mit der genügend Platz am Gehsteig verbleibt. Auch die standortgerechte Pflanzenauswahl und die Entwicklung geeigneter Pflegekonzepte sind Teil des Projekts. Die Erkenntnisse aus etwa 100 Interviews mit EigentümerInnen und BewohnerInnen zeigen den hohen Bedarf an Grün in der Stadt und fließen ebenfalls in die Entwicklung des Wiener Grünfassaden-Moduls ein.

Testlauf in Wien-Favoriten: kostenlose Vergabe der ersten 50 Module

Erprobt wird die Innovation im Jahr 2019 in einem Co-Creation-Prozess mit 50 Demo-Gebäuden in Innerfavoriten – dem Zielgebiet des Innovationslabors GrünStattGrau, in dem das Phänomen der „Urbanen Hitzeinseln“ besonders stark auftritt. Im Frühjahr 2019 werden die Prototypen für die Grünfassaden-Module der Öffentlichkeit präsentiert. Anschließend sind EigentümerInnen und BewohnerInnen des Zielgebiets aufgerufen, sich für die Grünfassaden-Module zu bewerben, die im Rahmen des Projektes zu Forschungszwecken an 50 Häuser in Innerfavoriten kostenlos vergeben werden. Für die Einbindung der EigentümerInnen und BewohnerInnen in den Planungs- und Genehmigungsprozess entsteht ein innovatives webbasiertes Partizipationsinstrument. Auf der Website www.50grünehäuser.at wird ab Frühjahr 2019 ein übersichtliches Onlinetool bereitgestellt, das die Interessierten durch den Einreich-Prozess führt. Rechtliche Fragestellungen werden im Rahmen des Projektes durch einen Rechtsexperten geklärt und entsprechende Musterverträge erstellt.

Erste Umsetzung und breites Roll-Out

Im Sommer 2019 werden die ersten Häuser in Wien-Innerfavoriten begrünt. Die Installation der Module wird durch Fachleute übernommen, die Pflege liegt in der Hand von EinreicherInnen bzw. BewohnerInnen. Mittels Monitoring werden laufend die messbaren sozialen und (vegetations-)technischen Auswirkungen der Gebäudebegrünung im Zielgebiet Innerfavoriten erhoben und liefern so wissenschaftlich belegbare Daten für EntscheiderInnen, Bauherren, PlanerInnen und Bauträger.

Auf Basis der Erkenntnisse aus dem Projekt wird für „50 grüne Häuser“ ein grundlegendes, multiplizierbares Businessmodell entwickelt, das auf andere Stadtgebiete und Städte übertragbar ist. Ab Herbst 2019 sollen die Grünfassaden-Module – zu vergleichsweise niedrigen Kosten von maximal 2.000 € – für ganz Österreich erhältlich sein.

ProjektpartnerInnen

  • tatwort Nachhaltige Projekte GmbH (Konsortialführung)
  • Wiener Umweltschutzabteilung (MA22)
  • Die Wiener Volkshochschulen GmbH – DIE UMWELTBERATUNG
  • GrünStattGrau Forschungs- und Innovations GmbH
  • Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), Department für Bautechnik und Naturgefahren, Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau (IBLB)

Das Projekt wird im Rahmen des Programms „Stadt der Zukunft” realisiert. „Stadt der Zukunft“ ist ein Forschungs- und Technologieprogramm des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT).

Kontakt

Mag. (FH) Victoria Hala, MSc

Leitendes Projektmanagement

tatwort Nachhaltige Projekte GmbH

E-Mail: victoria.hala@tatwort.at

Website: www.50gruenehaeuser.at

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