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Ein All-in-One-Package für Fassadenbegrünung an bestehenden Häusern: Das bietet das Forschungsprojekt von „50 Grüne Häuser“. Die Begrünung beugt urbanen Hitzinseln vor und verbessert das Mikroklima. Im Frühjahr 2019 konnten Hausgemeinschaften in Wien-Innerfavoriten online einreichen, um sich für eine Fassadenbegrünung zu bewerben. Die ersten 50 Stück des neu entwickelten Grünfassaden-Moduls „BeRTA“, wurden zu Forschungszwecken unentgeltlich vergeben. Im Herbst 2019 werden diese ersten 50 Module installiert – anschließend werden die BeRTA-Module käuflich zu erwerben und in Wien über eine Förderung finanzierbar sein. So wird im Anschluss an das Forschungsprojekt ein breites Roll-Out ermöglicht.

Wien und andere Städte bieten bereits viele Möglichkeiten für Gebäudebegrünung. Dennoch gab es bisher keine kostengünstige, einfach umsetzbare Gesamtlösung für eine straßenseitige Umsetzung von Fassadenbegrünung an Bestandsimmobilien. Hier setzt das Projekt 50 Grüne Häuser an: In einem interdisziplinären Team und gemeinsam mit der Stadtverwaltung und weiteren Stakeholdern wurde eine umfassende All-in-One-Lösung entwickelt, die aktuell in Wien-Innerfavoriten erprobt wird und bald für ganz Wien und darüber hinaus erhältlich sein wird!

Hintergründe

Laut Klimaprognosen hat Wien künftig mehr sommerliche Hitze zu erwarten – in einzelnen Jahren wird es bis zu 100 Hitzetage mit Temperaturen über 30°C geben, was einem Plus von 550% im Vergleich zum Mittelwert der Jahre 1981-2010 entspräche. Bauwerksbegrünungen reduzieren die gefühlte Temperatur bei Hitze um bis zu 13°C und wirken so „urbanen Hitzeinseln“ entgegen. Vor allem im dicht verbauten Stadtgebiet wie in Innerfavoriten, entlang von Gehsteigen und in Erdgeschoßzonen wirken Begrünungen positiv auf das Mikroklima. Bauwerksbegrünungen haben noch viele weitere Vorteile: So verbessern sie die Luftqualität und sorgen für ein naturnahes, gesünderes Umfeld in der Stadt.

All-in-One-Lösung und Prozessinnovation

Zur Umsetzung von Grünfassaden im Bestand gab es bisher noch keine breit anwendbare, preiswerte All-in-One-Lösung. Das „Nachrüsten“ bestehender Fassaden wurde zudem durch langwierige Abwicklungs- und Genehmigungsprozesse innerhalb von Gebäudegemeinschaften und der Verwaltung erschwert. Das notwendige Genehmigungsverfahren der Stadt Wien dauerte bisher im Durchschnitt über ein Jahr.

Im Rahmen des Forschungsprojektes „50 Grüne Häuser“, gefördert vom BMVIT im Programm „Stadt der Zukunft“, wurde erstmals – in Abstimmung mit der Stadt Wien – eine integrierte Kombi-Lösung entwickelt, bestehend aus dem „BeRTA Grünfassaden-Modul“, dem innovativen webbasierten Partizipationsinstrument, sowie praxisorientierten Pflege-Konzepten.

Das BeRTA Grünfassaden-Modul

Das BeRTA Grünfassaden-Modul ist eine einfache, kostengünstige, breit implementierbare Pflanzentrog-Lösung für straßenseitige Fassadenbegrünung. Es besteht aus einem Pflanzgefäß mit 300 Liter Fassungsvermögen, einer Rankhilfe (sofern erforderlich bzw. technisch machbar), Substrat und zwei Kletterpflanzen, die für rund 8m² Begrünung sorgen. Das Besondere: Alle Elemente sind aufeinander abgestimmt, speziell für die Spezifika des Bestandes entwickelt und enthalten fix und fertig alle Komponenten, um bestehende Fassaden „ergrünen“ zu lassen.

Die zuständigen Stellen des Magistrats waren in die Entwicklung des Moduls eingebunden, um fachliche Anforderungen einzubringen und damit den künftigen Genehmigungsprozess transparent und rasch zu gestalten. In der Entwicklung wurden vielfältige Anforderungen berücksichtigt, wie die Verwendung langlebiger und ökologischer Materialien oder eine passende Dimensionierung, mit der genügend Platz am Gehsteig verbleibt. Auch die standortgerechte Pflanzenauswahl und die Entwicklung geeigneter Pflegekonzepte sind Teil des Projekts. Die Erkenntnisse aus etwa 100 Interviews mit EigentümerInnen und BewohnerInnen zeigten den hohen Bedarf an Grün in der Stadt und flossen ebenfalls in die Entwicklung des Wiener Grünfassaden-Moduls ein.

Testlauf in Wien-Favoriten: kostenlose Vergabe der ersten 50 Module

Erprobt wird die Innovation im Jahr 2019 in einem Co-Creation-Prozess mit 50 Demo-Modulen in Innerfavoriten – dem Zielgebiet des Innovationslabors GrünStattGrau, in dem das Phänomen der „Urbanen Hitzeinseln“ besonders stark auftritt. EigentümerInnen, MieterInnen oder auch Hausverwaltungen konnten sich im Frühjahr 2019 online auf www.50gh.at für die ersten 50 Exemplare des BeRTA Grünfassaden-Moduls bewerben, die kostenlos über das Forschungsprojekt „50 Grüne Häuser“ vergeben werden. Ein Online-Fragebogen führte Interessierte schrittweise durch die Einreichung und fragte möglichst rasch und unkompliziert alle erforderlichen Daten ab. Die eingegebenen Informationen halfen den ExpertInnen des Teams von „50 Grüne Häuser“ die individuelle Modul-Konfiguration für den jeweiligen Standort zu wählen: Je nach Standort und Beschaffenheit der Fassaden werden passende Pflanzen und gegebenenfalls eine Rankhilfe zur Verfügung gestellt.

Erste Umsetzung und breites Roll-Out

Noch im Herbst 2019 erhalten die ausgewählten Gebäude aus Innerfavoriten kostenlose BeRTA Grünfassaden-Module inklusive Lieferung, Montage und Einschulung. Die ersten 50 Grünfassaden-Module werden ausschließlich straßenseitig vergeben und im öffentlichen Raum aufgestellt. Die Installation der Module wird durch Fachleute übernommen. Die Bereitschaft, sich persönlich um die Pflanzen zu kümmern, wurde bereits bei der Vergabe als besonders positiv beurteilt. Alle Pflege-Zuständigen erhalten eine kostenlose Einschulung durch das Team von „50 Grüne Häuser“. Das Modul ist so gestaltet, dass sich der laufende Pflegeaufwand in Grenzen hält: Dank des integrierten Wasserreservoirs im Gefäß muss auch in Hitzezeiten nur 1 bis 2 Mal wöchentlich mittels Gießkanne oder Schlauch gegossen werden. Ein professioneller Rückschnitt wird mindestens 1x pro Jahr empfohlen. Die Kosten für die laufende Pflege und Wartung liegen bei ca. 25 Euro monatlich pro Modul und werden auf die HausbewohnerInnen über die Betriebskosten aufgeteilt. Automatisierte Bewässerungsanlagen können bei der Einreichung optional als kostenpflichtige Zusatzausstattung mitbestellt werden. Mittels Monitoring werden laufend die messbaren sozialen und (vegetations-)technischen Auswirkungen der Gebäudebegrünung im Zielgebiet Innerfavoriten erhoben und liefern so wissenschaftlich belegbare Daten für EntscheiderInnen, Bauherren, PlanerInnen und Bauträger.

Auf Basis der Erkenntnisse aus dem Projekt wird für „50 grüne Häuser“ ein grundlegendes, multiplizierbares Businessmodell entwickelt, das auf andere Stadtgebiete und Städte übertragbar ist. Im ersten Schritt werden 50 BeRTA-Module zu Forschungszwecken in Innerfavoriten vergeben. Die Stadt Wien hat bereits einen Fördertopf für die Vergabe weiterer 100 Grünfassaden – auch an anderen Orten in der Stadt – eingerichtet. Ab Herbst 2019 werden die BeRTA-Module – zu vergleichsweise niedrigen Kosten – für ganz Österreich erhältlich sein. In Wien können die Kosten für bis zu zwei straßenseitige Module über die Grünfassadenförderung gedeckt werden. Interessierte können sich bereits jetzt auf die Mailing-Liste des Projekts eintragen.

ProjektpartnerInnen

  • tatwort – Nachhaltige Projekte GmbH (Konsortialführung)
  • Wiener Umweltschutzabteilung (MA22)
  • Die Wiener Volkshochschulen GmbH – DIE UMWELTBERATUNG
  • GrünStattGrau – Forschungs- und Innovations GmbH
  • Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) – Department für Bautechnik und Naturgefahren, Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau (IBLB)

Das Projekt wird im Rahmen des Programms „Stadt der Zukunft” realisiert. „Stadt der Zukunft“ ist ein Forschungs- und Technologieprogramm des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT).

Kontakt

Mag. Susanne Lins, MAS, MSc
Geschäftsführende Gesellschafterin
tatwort Nachhaltige Projekte GmbH

E-Mail: susanne.lins@tatwort.at
Website: www.50gh.at

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