Smart City Strategy Index 2019: Wien erneut auf Platz 1

Wien behauptete sich im weltweiten Vergleich der Smart-City-Strategien gegen 152 Metropolen – zum zweiten Mal in Folge. Bereits das erste Ranking im Jahr 2017 führte Wien an. Hinter Wien landet diesmal London auf Platz zwei; die Stadt St. Albert in Kanada auf Rang drei.

Steigende Bevölkerungszahlen, Staus und Luftverschmutzung stellen kleine und große Städte weltweit vor Herausforderungen. Mit digitalen Technologien, eingebettet in eine Smart City-Strategie, könnten diese Probleme gelöst werden. So wird zum Beispiel ein E-Mobilitätskonzept erst durch vernetzte Verkehrsmanagementsysteme und intelligente Stromnetze vervollständigt. Eine ganzheitliche Strategie ist also erforderlich, damit einzelne Maßnahmen sich zu einem erfolgreichen Smart City-Konzept weiterentwickeln, so die Roland Berger-ExpertInnen in ihrem zweiten „Smart City Strategy Index“. Im neuen Index, für den 153 Städte weltweit analysiert wurden, schneidet Wien erneut am besten ab. „Die österreichische Hauptstadt überzeugt mit ihrer ganzheitlichen Rahmenstrategie und innovativen Lösungen für Mobilität, Umwelt, Bildung, Gesundheit und Verwaltung sowie einer Fortschrittskontrolle der einzelnen Projekte“, erklärt Roland Berger-Partner Thilo Zelt.

Für Wiens Bürgermeister Michael Ludwig ist die hervorragende Platzierung keine Selbstverständlichkeit: „Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind sehr weitreichend: der Klimawandel, die wirtschaftliche Entwicklung, neue Technologien wie die Digitalisierung oder das Zusammenleben in der Stadt – das alles sind Themen, die ineinandergreifen und laufend neue Lösungen erfordern. Da heißt es: smart sein! Und deshalb lebt Wien auch die Smart City. Um die ausgezeichnete Qualität Wiens trotz einengender Rahmenbedingungen zu halten, ist es notwendig, sich ständig zu hinterfragen und vorausschauende, innovative und intelligente Lösungen für das alltägliche Leben zu erarbeiten, kurz: sich fortlaufend neu zu erfinden. Mit klaren Zielen und gemeinsam mit der Bevölkerung.“

Die große Herausforderung sei es, die Digitalisierung auch weiterhin im Sinne der Stadtbewohnerinnen und -bewohner zu nutzen. Als Beispiele dafür, wie das Wien gelingt, zählte Ludwig die „Sag’s Wien-App“ auf, mit der Probleme oder Anliegen im Grätzl direkt an die Stadt gemeldet werden können – oder Angebote wie „mein.wien“, mit dem Services der Stadt online und ohne Gang aufs Amt erledigen zu können, wie die Bestellung eines Parkpickerls, das Anmelden eines Kindergartenplatz für den Nachwuchs oder die Registrierung eines Schanigartens für GastronomInnen. „Wien darf keine Stadt der zwei Geschwindigkeiten werden, in der nur die Eliten von der Digitalisierung profitieren“, warnte Ludwig. Deshalb setze die Stadt auch auf Digitalisierung bei Jüngsten – binnen drei Jahren soll jede städtische Schule mit W-LAN ausgestattet sein; ältere Menschen wiederum werden mit dem Heim-Assistenz-System „WAALTeR“ mit den Möglichkeiten der Digitalisierung vertraut gemacht. Um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, baut Wien außerdem die digitale Infrastruktur aus – zum Beispiel mit dem neuen Funkstandard 5G für mobiles Internet.

Mit ganzheitlichen Konzepten zur Smart City

Die Zahl der Städte mit einer klaren Smart City-Strategie hat sich in den letzten zwei Jahren von 87 auf 153 deutlich erhöht. Hier übernimmt Wien eine Vorreiterrolle, denn insgesamt zeigen 90 Prozent der Städte allerdings immer noch keine ganzheitlichen Smart City-Konzepte. Dabei ist die Strategie nur der erste Schritt, entscheidend ist die Umsetzung.

Wien punktet in der Rangliste mit einer ausgereiften Smart-City-Strategie, die auch in konkreten Projekten umgesetzt wird. „Die österreichische Hauptstadt überzeugt mit ihrer ganzheitlichen Rahmenstrategie und innovativen Lösungen für Mobilität, Umwelt, Bildung, Gesundheit und Verwaltung sowie einer Fortschrittskontrolle der einzelnen Projekte“, heißt es in der Studie. Und: „Wien punktet zum Beispiel mit einem fortschrittlichen E-Health-System und bietet als erste deutschsprachige Stadt offene Verwaltungsdaten.“ Das ist wichtig, „denn weltweit stehen Metropolen heute in einem Wettkampf, wenn es darum geht, sich nicht nur als lebenswerte Stadt, sondern auch als attraktiver Standort für Start-ups, Firmen-Headquarters oder die Industrie zu positionieren“, erklärt Prof. Dr. Roland Falb, Managing Partner bei Roland Berger Österreich. London versieht Straßenlaternen und Bänke mit öffentlichem WLAN, Luftqualitätssensoren und Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Singapur hingegen hat mit dem sogenannten „SingPass“ ein digitales Identifikationssystem und installiert momentan intelligente Beleuchtungssysteme, autonome Shuttles und Telemedizin.

Strategien werden unzureichend umgesetzt

Bei der Umsetzung der Konzepte gibt es ebenfalls deutlichen Nachholbedarf. „Oft liegt das aber nicht an den Strategien selbst, sondern an unklaren Verantwortlichkeiten – es fehlt nicht selten eine koordinative Funktion mit dem entsprechenden Know-how, die das Projekt vorantreibt“, bemängelt Thilo Zelt.

Ein zentrales Entscheidungsorgan, wie der Chief Digital Officer in London oder die Smart City Agency in Wien, können hier Abhilfe schaffen: Sie bündeln technische Kompetenz und steuern zentral Projekte. Gleichzeitig koordinieren sie als übergeordnete Stelle die unterschiedlichen Interessen von Stadt, Service- und Lösungsanbietern sowie der Regierung.

Die Koordination aller beteiligten Gruppen ist ein Schlüssel zum Erfolg für eine Smart City-Strategie, rechtlich klare Rahmenbedingungen ein weiterer: „Es muss ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden, um die erfassten Daten zu schützen. Auf der anderen Seite müssen die Städte eine Infrastruktur aufbauen, um Daten für sich nutzbar zu machen“, sagt Thilo Zelt.

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